Wälzer des Wissens
Eine weitere tolle Erfindung von Mythic Entertainment ist der Wälzer des Wissens. Der Wälzer erzählt vom Zeitalter der Abrechnung, von den Ereignissen im Spiel und der Geschichte des jeweiligen Charakters - zeichnet auf was der Charakter macht, sieht und was ihm im Spiel begegnet. Das bedeutet, dass eure getöteten Monster, betretene Gebiete, Quests, Hintergrundgeschichten zum Charakter und vieles mehr erfasst werden. Hier werden auch die verschiedenen Titel aufgeführt, die ihr durch besondere Aktionen erhaltet. Diese dürft ihr dann unter eurem Namen tragen. Abgesehen von Titeln wie „Kritischer Zerschmetterer", „Straßenhüter" und vielen weiteren, gibt es auch humorvolle Titel, wie „Autsch, mein Auge", den ihr erhaltet, wenn ihr euch 100x selber anklickt. Bestimmte Errungenschaften im Wälzer des Wissens ermöglichen es dem Spieler sogar neue Taktiken freizuschalten.
Außerdem erhält man für besondere Erfolge im Spiel so genannte Trophäen, also Gegenstände, die man an verschiedenen Plätzen an den Charakter anbringen kann, zum Beispiel Köpfe von getöteten Gegnern, die allerdings den Avatar nicht stärken.

So sieht das Anpflanzen aus!
Handwerk
Während Warhammer Online in Punkto Spielerkämpfe wirklich überzeugt, sieht das beim Handwerk ganz anders aus. So sind die Berufe sehr beschränkt und ein eigenes Haus oder gar einen Laden, gibt es abgesehen vom Auktionshaus nicht.
Jeder Charakter kann einen Haupt- und einen Sammelberuf wählen. Wer jetzt glaubt, man könnte Schwerter und mehr schmieden, irrt gewaltig. Hauptberufe stellen Pharmazie (Tränke brauen) und Talisman-Herstellung dar, die ihr an Waffen anbringen könnt. Als Nebenberufe gelten Anpflanzen, Magische Verwertung, Plündern oder Ausschlachten. Alles keine Berufe, die etwas mit herkömmlichen Crafting zu tun haben, sondern eher einen Bonus darstellen.
Um Fortschritte zu erzielen, müsst ihr die Fähigkeiten nur anwenden. Abhängig von den verwendeten Rohmaterialien ergibt sich eine gewisse Chance, im jeweiligen Handwerk besser zu werden. Feste Rezepte gibt es nicht - es wird ein zufälliger Gegenstand generiert. Drücken wir die Daumen, dass da noch ein Patch kommt, für echte Handwerker ist Warhammer Online in dieser Form nämlich nichts. Da hilft es auch nicht, dass man Rüstungen einfärben kann.
Düstere Welt
Obwohl die Comic-Grafik von Warhammer Online eher durchschnittlich ist, sticht schnell der Detailgrad der Spielwelt ins Auge.
Überall stehen kleinere Fässer, Fackeln und Ziergegenstände. Es raucht aus den Schornsteinen, im Himmel kann man Vögel ausmachen und die meisten Regionen sind durchdacht konzipiert. Weiterhin sehen die Gebiete der verschiedenen Rassen alle unterschiedlich aus - auch wenn alle Schauplätze bewusst relativ „düster" gehalten wurden.Später gibt es für längere Reisen auch noch Reittiere - hinzu kommen verschiedene Flugpunkte, mit deren Hilfe ihr direkt zum gewünschten Gebiet reisen könnt.
Die Animationen hingegen wirken teilweise ein wenig unausgereift - da wäre ein bisschen mehr Motion-Capturing sicher nicht verkehrt gewesen. Insgesamt kann man sagen: Warhammer Online verursacht keinen Augenkrebs, kann aber auch nicht mit einer Hammer-Grafik protzen. Die visuelle Spagat zwischen World of Warcraft, Dark Age of Camelot und dem Warhammer Universum ist zumindest gelungen.
Die musikalische Untermalung fehlt fast komplett, was die Atmosphäre allerdings nur leicht trübt. Dennoch hätten wir gerne mehr von den Trommeln des Krieges gehört. Da hilft im Notfall nur der Mp3-Player! Die restlichen Sounds sind passend - die wenigen kurzen Sprachausgaben sogar sehr gelungen.
Kleinere technische Fehler gibt es leider auch. So sind beispielsweise ein paar NPC nicht anklickbar, im Wälzer des Wissens kann es beim Blättern zu Textüberlagerungen kommen, die Latenz ließ vor allem zum Release zu Wünschen übrig und verschiedene Übersetzungen sind weiterhin in englischer Sprache oder fehlerhaft. Ärgerlich, allerdings kein Beinbruch, der nicht bald behoben werden kann.
Alles geklaut?
"Sieht ja so aus wie World of Warcraft!" - diesen Satz durfte sich so manche Mitarbeiter von Mythic Entertainment und dem europäischen Anbieter GOA wohl schon öfter anhören. Und ja, die Ähnlichkeiten sind definitiv vorhanden. Vor allem grafisch und vom Gameplay her, hat Mythic ein wenig von Genreprimus abgekupfert.
Aber haben die Jungs von Blizzard Entertainment nicht schon viel früher das Warhammer Online Universum „kopiert" und sich bei der Entwicklung von World of Warcraft auch Dark Age of Camelot genau angeschaut? Gute Features werden nun mal übernommen und weiter optimiert. Und das ist auch gut so - schließlich müssen neue Produktionen auch mit älteren Werken, die immer weiter ausgebaut werden, mitziehen können. Das passiert schließlich überall im Leben.